Selbstbesteuerungsgruppe Bischof Kräutler

Lebenslauf

Bischof Erwin Kräutler C.PP.S

 

Erwin Kräutler wurde 1939 in Koblach/Vorarlberg in Österreich geboren. Nach der Gymnasialzeit in Feldkirch (Vorarlberg) tritt er 1958 in die Kongregation vom Kostbaren Blut ein. Von 1959  bis 1965 studiert er in Salzburg Theologie und Philosophie und schließt mit dem Lizenziat in Philosophie ab. Während seiner Jugend ist er aktives Mitglied der Katholischen Arbeiterjugend (KAJ).

 

Vier Monate nach der Priesterweihe im Juli 1965 reist er nach Brasilien aus. In den ersten Jahren ist er als „Wandermissionar“ am Unteren Xingu und Amazonas unterwegs und übernimmt im Hafenort Vitória die Seelsorge. Ein Jahr leitet er die Pfarre Souzel.

 

Vor seiner Ernennung zum Bischof unterrichtet er auch in der Lehrerbildungsanstalt und ist für die Administration der Diözese zuständig. Seit November 1980 ist er Bischof der flächenmäßig größten brasilianischen Diözese Xingu mit rund 368.086 km2 und über 500.000 Einwohnern, davon 8.000 Indios der Völker Kayapó, Asurini, Araweté, Parakaña, Xipaia-Curuaia und Arara.

 

 

Am 25. Jänner 1981 wurde Erwin Kräutler zum Bischof der Prälatur Xingu geweiht. Foto: Der junge Dom Erwin mit seinem Onkel und Vorgänger Bischof Erich Kräutler.

 

Seine Arbeit und sein Einsatz gilt der „Option für die Armen und die kulturell Anderen“. In der Öffentlichkeit tritt er gegen politische, soziale und wirtschaftliche Missstände auf. Eindeutige Drohungen sind die Folge. Im Juni 1983 wird er bei einer Solidaritätsaktion mit Arbeitern, denen man monatelang den Lohn vorenthielt, niedergeschlagen, verhaftet und dann verhört. Alle Einschüchterungen können ihn nicht davon abbringen, weiterhin auf die ungerechte Situation, die Probleme und Ungerechtigkeiten aufmerksam zu machen und anzuklagen.

 

1983 wird er als Präsident des Indianermissionsrates (CIMI) gewählt, eine der Brasilianischen Bischofskonferenz (CNBB) angeschlossene Organisation. Er engagiert sich noch entschiedener für die Rechte der indigenen Völker. 1987 von der Generalversammlung erneut im Amt als CIMI-Präsident bestätigt, meldet er sich auch bei der Erarbeitung der neuen Verfassung mutig zu Wort und bemüht sich, gemeinsam mit den indigenen Völkern deren Rechte verfassungsmäßig zu verankern. Unterstützt von einer großen Tageszeitung reagieren die politisch Mächtigen mit einer Diffamierungskampagne gegen den Indianermissionsrat und seinen Präsidenten.

 

In dieser Zeit der Angriffe und Verleumdungen kommt es am 16. Oktober 1987 zu einem Autounfall, dessen Ursachen bis heute nicht geklärt sind. Bischof Kräutler wird schwer verletzt, Pater Salvatore Deiana überlebt den Unfall nicht.

 

Nach der Promulgation der Verfassung, am 5. Oktober 1988, gilt sein Bemühen der Durchsetzung der nun in der Konstitution verankerten Rechte der indigenen Völker Brasiliens.

 

Die Generalversammlung von CIMI, im Juli 1991, betraut Kräutler einstimmig mit der Aufgabe „Internationale Solidarität“, da eine nochmalige Wahl zum Präsidenten aufgrund der Statuten nicht mehr möglich ist.

 

Bei zahlreichen Reden, Vorträgen und Diskussionen im In- und Ausland informiert er die Öffentlichkeit über den Überlebenskampf der indigenen Völker auf dem lateinamerikanischen Kontinent, drängt zum Bewusstseinswandel und fordert zur Veränderung des Verhaltens auf. Unermüdlich tritt er für die Rechte der Indios und für die Bewahrung ihrer Mit-Welt ein.

 

Auf Einladung von Bundeskanzler Dr. Franz Vranitzky wirkt der Bischof als Berater bei der österreichischen Delegation bei UNCED im Juni 1992, in Rio de Janeiro, und beim Weltgipfel für soziale Entwicklung im März 1995, in Kopenhagen, mit.

 

Als Delegierter der Brasilianischen Bischofskonferenz (CNBB) nimmt er an der IV. Vollver­sammlung des Lateinamerikanischen Episkopates vom 12. bis 28. Oktober 1992 in Santo Domingo (Dominikanische Republik) teil und bringt die Anliegen der indigenen Völker, der Afroamerikaner und Mestizen ein.

 

Im März 1995 wählt die 33. Generalversammlung der CNBB die neun Mitglieder der Bischöflichen Pastoralkommission (CEP), darunter auch Bischof Kräutler.

 

Vom 16. November bis 12. Dezember 1997 findet im Vatikan die Synode der Bischöfe von Amerika statt. Von seinen Mitbrüdern der CNBB für diese Aufgabe ausgewählt, spricht er im Plenum über die Situation in Amazonien und bringt die Sorgen, Nöte und ganz besonders die Hoffnungen des Volkes Gottes ein, das in dieser unendlichen Weite im Norden Brasiliens unterwegs ist.

 

Im April 1999 erneuert die 37. Generalversammlung der CNBB sein Mandat für die Bischöfliche Pastoralkommission. Bis zum Jahr 2003 trägt Kräutler die Verantwortung für die Missionarische Dimension der katholischen Kirche Brasiliens. In dieser Zeit begleitet er im Auftrag der CNBB den Demokratisierungsprozess in Ost Timor und fördert infolge seiner Projektreisen, 2002 und 2005, maßgeblich den Dialog und die Informationsverbreitung

 

Die 44. Generalversammlung der CNBB wählt Kräutler als Delegierten für die V. Vollver­sammlung des Lateinamerikanischen Episkopates, die vom 13. bis 31. Mai 2007 in Aparecida (Brasilien) stattfindet. Bei dieser Versammlung setzt er sich insbesondere für die Völker Amazoniens und deren Mit-Welt, die Option für die Armen und die Kirchlichen Basis­gemeinden ein.

 

Ab 9. November 2006 ist Bischof Erwin Kräutler wieder Präsident des Indianermissionsrates (CIMI). Nach dem Unfalltod von Dom Franco Masserdotti wird er gebeten, dessen Mandat zu Ende zu führen. Am 1. August 2007 wird er von der Generalversammlung des CIMI für vier Jahre zum CIMI-Präsidenten gewählt. Am 6. Dezember 2010 erhält er in Stockholm den Alternativen Nobelpreis.

 

Siehe auch: Ehrungen und Preise

 

 

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